Spielvorstellung: Hegemony

Nach etlichen Spielerunden bei unseren öffentlichen Spieletreffs und Vereinsevents, konnten wir uns ein ausreichendes Bild von „Hegemony: Führe deine Klasse zum Sieg“. Vielleicht hilft euch unsere Rezension ein wenig…

Kurzbeschreibung

In diesem Spiel spielst du eine von vier asymmetrischen Gesellschaftsklassen – Arbeiterklasse, Mittelschicht, Kapitalistenklasse oder den Staat. Um deine Klasse zum Erfolg zu führen, musst du passende Gesetze auf den Weg bringen, clevere Aktionen und Investitionen durchführen aber auch mit den anderen Klassen zusammenarbeiten.

Ziel des Spiels

  • erziele die meisten Siegpunkte
  • Punkte erzielen die einzelnen Klassen auf völlig unterschiedlich Art.
    • Die Kapitalistenklasse müssen ihr Kapital maximieren.
    • Die Arbeiterklasse muss die Bedürfnisse nach Nahrung, Gesundheit, Bildung und Luxusgüter befriedigen und den Wohlstand erhöhen.
    • Die Mittelschicht muss den eigenen Wohlstand steigern und gleichzeitig die Bedürfnisse der Arbeiter zu befriedigen.
    • Der Staat versucht alle Klassen im Gleichgewicht zu halten und alle gesellschaftlichen Probleme zu lösen, die auftreten.

Das ist besonders

  • Die Spielstile, Kartendecks und Basisaktionen der einzelnen Klassen unterscheiden sich immens voneinander…wo die Arbeiterklasse z.B.“Wohlstand” erzeugen muss, wollen die Kapitalisten nur Geld horten und der Staat alle Klassen ausgleichen, um Siegpunkte zu bekommen.
  • Frische, aktuelle und realitätsorientierte Thematik
  • Transportiert wirtschaftliche und politische Zusammenhänge
  • Trotz asymmetrischer “Fraktionen”, greifen die Mechanismen perfekt ineinander und erzeugen eine sehr hohe Interaktion am Tisch

Für wen das Spiel interessant ist

  • Liebhaber:innen von komplexen, asymmetrischen Simulationen
  • Spielende, welche sich zumindest ansatzweise für das gesellschaftspolitische System interessieren

Der Spielaublauf

In Hegemony spielt ihr 5 Runden, anschließend erfolgt eine Endwertung. Die Spielreihenfolge wird von den entsprechenden Klassen vorgegeben.

I. Vorbereitungsphase

Hier bereiten sich die Klassen auf die nächste Runden vor. Das sieht bei jeder Klasse anders aus, die Arbeiterklasse erhält z.B. je nach Gesetzeslage neue Arbeitskräfte und muss den Wohlstand senken, wohingegen der Staat z.B. neue Ereignisse und eine neue politische Agenda ins Spiel bringt.

II. Aktionsphase

Bist du am Zug, nutzt du Handkarten aus deinem klassenspezifischen Kartendeck, um Aktionen umzusetzen. Dabei kannst du dich immer entscheiden, den Effekt auf der Karte zu nutzen oder die Karte für eine Reihe von “Basisaktionen” abzuwerfen. Zusätzlich kannst du pro Zug eine klassenspezifische “freie Aktionen” durchführen.

III. Produktionsphase

In dieser Phase werden je nach Klasse, Löhne gezahlt, Waren und Dienstleistungen produziert , Bedürfnisse der Bevölkerung befriedigt und Steuern gezahlt.

IV. Wahlphase

Das Herzstück des Spiels…die Wahlen! Gesetze können dann einen großen Einfluss auf den weiteren Spielverlauf haben und jede Klasse hat ihr ganz eigenes Interesse an bestimmten Gesetzesverschiebungen. Für jeden eingebrachten Antrag in den sieben Bereichen – Fiskalpolitik, Arbeitsmarkt, Steuerpolitik, Gesundheit Bildung Außenhandel und Einwanderung, kommt es zu einer Abstimmung (dafür/dagegen). Anschließend werden aus einem Beutel 5 Abstimmungssteine gezogen (die in der Aktionsphase dort platziert werden können). Je nach gezogener Klassefarbe werden die Stimmen für oder gegen den Antrag gezählt – dies ist das ursprüngliche Abstimmungsergebnis. Dieses Ergebnis können die Spielenden durch zusätzliche Einflussmarker noch zu ihren Gunsten “manipulieren”.

V. Wertungsphase

In dieser Phase erhalten die Spielenden je nach Klasse sehr unterschiedlich zusätzliche Siegpunkte oder Strafen.

Was unsere Mitglieder über Hegemony sagen

Jan meint…
Im Grunde von den Regeln nicht so krass wie befürchtet und nach der zweiten Runde spielt es sich ohne Grübler auch gut runter. Die Klassen sind sehr gut ausbalanciert. Es ist recht interaktiv, weil egal wer da was macht, es betrifft meisten mindestens eine weitere Klasse. Zudem sind die Karten sehr aktuell und die Handlungen haben Hand und Fuß. Ich war sehr angetan vom Spiel und es reizt mich die anderen Klassen zu spielen. Das einzige Manko: es sollten schon Spieler mit ähnlicher Erfahrung zusammen spielen, da Anfänger Fehler machen können, die sich krass positiv für eine Klasse und negativ für eine andere auswirken kann, wodurch die Balance möglicherweise nicht mehr gegeben ist.

Dirk meint…
Tolles, extrem asymmetrisches Spiel. Die wirtschaftlichen und politischen Zusammenhänge sind gut in den 4 Klassen und ihren Aktionen abstrahiert und spieltechnisch verzahnt. Das Spielthema ist sehr aktuell und realitätsorientiert. In der von mir eingenommenen Rolle als Staat ist die jederzeitige Budgetkontrolle mit Aktionen stets am Budgetlimit und spannend zu spielen. An meinen Gesetzesinitiativen müsste ich dabei sicherlich noch feilen, die haben strategisch-taktisches Potenzial.

Christian meint…
Ein tolles Spiel mit tollen Verzahnungen, dass insbesondere thematisch sehr stark abgeholt hat. Besonders interessant fand ich, dass das Erzielen von Siegpunkten pro Fraktion auf komplett unterschiedliche Art erfolgt und sich abhängig von Fraktion Siegpunkte teilweise weniger während des Spiels als vielmehr am Ende des Spiels erzielen lassen. Toll umgesetzt sind die Aktionskarten, deren Effekte sich thematisch passend ausspielen lassen. Ein flüssiges Spielen ist frühestens nach Erstparty mit entsprechender Fraktion möglich, nachdem die Effekte von Basis- und Nebenaktionen bekannt sind. Das wäre auch meiner einziger Kritikpunkt, dass sich die Aktionen der einzelnen Fraktionen schwer kennen lernen bzw. nachvollziehen lassen, ohne diese selbst zu spielen oder parallel das Regelbuch zu studieren.

André H. meint…
Ich fand die Spielweise von Hegeomy sehr faszinierend. Obwohl alle Spieler im Grunde völlig asymmetrische Spielweisen haben, greifen diese insgesamt sehr stimmig ineinander. Zudem wird das dem Spiel zugrunde liegende Thema sehr gut transportiert, ohne öde oder langweilig zu wirken. Die Downtime zwischen den eigenen Zügen fällt kaum auf, da man während den Zügen der anderen Mitspieler auf deren Aktionen achtet; teilweise werden die Züge auch praktisch zeitgleich abgehandelt (Löhne zahlen/kassieren, Steuern zahlen/kassieren, etc.). Sehr unterhaltsam war auch die Möglichkeit, mittels der eigenen Klassen-Karten das Spielgeschehen zu beeinflussen und auf diese Weise andere Spieler zu Aktionen zu zwingen; ein Faktor mit Schadenfreude. Nur die Varianz in den eigenen Karten könnte ruhig etwas größer ausfallen, da sich einige Karten regelmäßig wiederholt haben (wird ggf. durch die Erweiterung verbessert). Schließlich hat mir auch die gefallen, dass es nur einen geringen Glücksfaktor gibt. Alles in allem ein sehr spannendes und unterhaltsames Spiel.

Wie unser Chef-Kritiker André P. das Spiel einschätzt

Ein sehr thematisches und gleichzeitig schön verzahntes Brettspiel mit sehr viel Spieler-Interaktion und tollem Material. Jede Klasse ist eine andere Herausforderung und KEINE fühlt sich zu stark oder unthematisch an. Die Karten sind thematisch und umfassen sowohl aktuelle Ereignisse (Bsp. COVID, Subventionen, Arbeitslosigkeit) als auch relevante Einschränkungen (man kann z.B. nur streiken, wenn der Mindestlohn zu niedrig ist). Die “Ressourcen-Produktion” (Gesundheit, Bildung, Einfluss, Nahrung) ist ebenfalls sehr thematisch. So wird “Einfluss” z.B. in Radiostationen oder Zeitungen produziert und ist relevant, um die Wahlen für Gesetze zu beeinflussen.

Pro

  • absolut thematisch
  • hohe Spieler-Interaktion
  • innovative und verzahnte Mechaniken

Contra

  • Lange Erklärung, da alle Klassen einzeln erklärt werden müssen
  • Lange Spielzeit
  • Mit weniger als 4 Mitspielern fallen explizite Klassen weg

Bewertung

Material 4/5 Punkte
Gameplay 5/5 Punkte
Wiederspielwert 4/5 Punkten
Gesamteindruck 4/5 Punkten

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